Kimchi selber machen — gelingsicher fermentiert
In Seoul steht an jeder Ecke ein Tontopf mit Kimchi, der seit Wochen vor sich hin reift — dieser säuerlich-scharfe Duft gehört zu Korea wie nichts sonst.
Zu Hause entsteht Kimchi nicht durch ein Rezept allein, sondern durch Fermentation, die du führst: die richtige Salzmenge pro Kilo Kohl, die passende Temperatur und ein paar klare Zeichen, an denen du erkennst, dass alles läuft. Genau das zeigen wir dir hier — Schritt für Schritt, ohne Rätselraten.
Salz ist beim Kimchi kein Würzmittel — es ist der Türsteher. Zu wenig davon, und die falschen Bakterien übernehmen. Unsere Faustregel: 2–2,5 % des Kohlgewichts, also etwa 20 g auf 800 g Kohl. Und nach dem Einlegen unbedingt gründlich abspülen — sonst landet die ganze Salzigkeit im fertigen Kimchi statt in der Lake
Wenn es wie im Original schmecken soll sind sie unverzichtbar.
Warum wird mein Kimchi nicht richtig?
Die drei häufigsten Fehler – und wie du sie von Anfang an vermeidest.
Zu mild und flach
Ohne echtes Gochugaru fehlt die fruchtig-würzige Tiefe, die Kimchi erst authentisch macht.
Kimchi bleibt zu scharf und unausgewogen
Ohne Gochujang fehlt die süß-fermentierte Tiefe, die die Schärfe erst rund macht.
Kein Umami-Fundament
Ohne Fischsauce bleibt der Kimchi flach und eindimensional – etwas Entscheidendes fehlt.
Beschreibung
Chinakohl vorbereiten
Chinakohl gründlich waschen und den harten Strunk unten leicht kürzen. Anschließend den Kohl am Strunk entlang von unten her längs einschneiden und vierteln, dabei den oberen Teil möglichst intakt lassen. Die eingeschnittenen Stücke vorsichtig auseinanderziehen, sodass vier Viertel entstehen und die Blätter weitgehend zusammenhalten.
Einen ausreichend großen Behälter vorbereiten, in den der Chinakohl knapp hineinpasst. Mit kaltem Wasser füllen und die Viertel vollständig eintauchen, bis alle Blätter gut benetzt sind. Herausnehmen und das Salz großzügig zwischen die Blätter streuen beziehungsweise sanft einreiben – zum Strunk hin etwas stärker salzen, da dieser fester ist.
Das Wasser anschließend wegschütten, den gesalzenen Chinakohl zurück in den leeren Behälter legen und bei Raumtemperatur mindestens 30 Minuten besser 60 Minuten, ziehen lassen. Dabei die Viertel mehrmals wenden, damit sie gleichmäßig durchziehen.
So siehts richtig aus: Der Kohl wird weich und biegsam, gibt deutlich Flüssigkeit ab. Wenn du ein Blatt biegen kannst, ohne dass es bricht — perfekt.
Gemüsepaste vorbereiten
Den Daikon schälen und in feine Stifte schneiden. Die Frühlingszwiebeln putzen, waschen, längs vierteln und anschließend in etwa 3 cm lange Stücke schneiden. Knoblauch und Ingwer schälen und sehr fein hacken.
Alles in eine große Schüssel geben. Gochugaru, Gochujang, Fischsauce und Kokosblütenzucker hinzufügen und die Mischung gründlich vermengen. Dabei die Zutaten immer wieder mit der Hand kräftig zerdrücken – am besten Küchenhandschuhe anziehen, Gochugaru färbt intensiv. Das Ziel ist eine weiche, aromatische Paste ohne große Stücke.
Wozu was: Gochugaru gibt Farbe, Fruchtnoten und steuerbare Schärfe. Gochujang bringt Tiefe und leichte Süße. Fischsauce liefert das Umami-Fundament. Kokosblütenzucker „schiebt" die Fermentation an und balanciert die Schärfe.
Chinakohl mit Paste füllen
Den Kohl kurz unter kaltem Wasser abspülen, damit er nicht zu salzig wird, gut abtropfen lassen.
Die Chinakohlviertel vorsichtig Blatt für Blatt auseinanderziehen und die Würzpaste sorgfältig zwischen die Blätter streichen. Alles wieder zusammendrücken und dicht an dicht in einen sauberen Behälter oder ein großes Einmachglas schichten.
Wichtig: Fest andrücken, damit keine Luftblasen bleiben. Das Gemüse sollte möglichst vollständig unter der entstehenden Lake liegen — das ist entscheidend für sichere Fermentation.
Fermentation
Behälter gut verschlossen bei Raumtemperatur stehen lassen.
Was wann passiert:
Tag 0–1: Nichts Besonderes, Fermentation startet langsam
Tag 1–2: Erste kleine Bläschen, Geruch intensiviert sich Milchsäurebakterien sind aktiv — gut
Tag 2–3: Bläschen deutlich sichtbar, Glas kann leicht zischen. Aktive Fermentation — kurz entlüften
Tag 3–5: Säuerlicher Geruch, milder Kimchi-Geschmack. Fertig für Kühlschrank oder noch weiter reifen lassen
Tag 5–7: Kräftiges Aroma, intensiv-würzigKlassisch fermentiert — in den Kühlschrank- Entlüften: Glas einmal täglich kurz öffnen, damit überschüssige Gärgase entweichen können. Das Glas nie randvoll füllen — Kopfraum von ca. 3–4 cm einplanen.
- Fermentation stoppen: Einfach in den Kühlschrank. Dort verlangsamt sich die Gärung stark, das Kimchi reift aber weiter — nach Wochen bis Monaten wird es intensiver und sauerer. Du entscheidest den Reifegrad selbst.
Im Kühlschrank hält sich Kimchi monatelang. Der Geschmack wird mit der Zeit intensiver und komplexer — Koreaner sprechen von „Mugeunji" für sehr reifes Kimchi, das dann besonders gut für gekochte Gerichte geeignet ist.
Serviertipp
Frisch schmeckt Kimchi besonders gut, wenn man ihn mit geröstetem Sesam bestreut und einige Tropfen geröstetes Sesamöl darüberträufelt. Gut fermentiert wird dieser Kimchi für Kimchijeon (Kimchi-Pfannkuchen) verwendet
Tipps & Tricks
Salz richtig dosieren — die wichtigste Stellschraube
Salz zieht Wasser aus dem Kohl, macht ihn haltbar und steuert die Textur. Zu wenig, und der Kohl wird matschig; zu viel, und die Fermentation kommt kaum in Gang. Nimm Salz ohne Jod und ohne Rieselhilfe, beides kann die Milchsäurebakterien stören. Salze den Kohl zuerst ein, lass ihn Wasser ziehen und spül ihn danach ab — am Ende soll er angenehm salzig schmecken, nicht mehr. Nimm' 50 g Salz pro 800 g Kohl.
Reifegrad steuern statt Kalender zählen
Wie schnell dein Kimchi reift, hängt von der Temperatur ab, nicht vom Kalender. Warm geht es schnell, kühl langsam. Nach ein bis zwei Tagen bei Raumtemperatur zeigen sich erste Bläschen, der Geschmack wird frisch-säuerlich — mildes Kimchi. Länger stehen lassen macht es kräftiger und saurer. Wenn dir der Reifegrad schmeckt, stell das Glas in den Kühlschrank; dort reift es sehr langsam weiter.
Kimchi aufbewahren
Im Kühlschrank hält sich Kimchi mehrere Wochen bis Monate und entwickelt dabei immer mehr Tiefe. Wichtig ist, dass der Kohl unter der Flüssigkeit bleibt — was oben rausschaut, kann austrocknen oder schimmeln. Drück den Inhalt nach jeder Entnahme wieder unter die Lake.
Schimmel vs. Kahmhefe — das musst du wissen
Das ist die häufigste Frage, und sie ist berechtigt. Niemand will drei Tage warten, nur um das Glas dann wegzuwerfen.
Was du siehst | Was es ist | Was du tust |
|---|---|---|
Bläschen, Zischen beim Öffnen | Normale aktive Fermentation | Nichts — weitermachen |
Weiße, dünne Schicht oben, trocken und flach | Kahmhefe — meist harmlos | Abschöpfen, Gemüse wieder unter die Lake drücken |
Grüner, schwarzer oder pelziger Belag | Schimmel | Wegwerfen |
Fauliger, seifiger oder stark alkoholischer Geruch | Fehlgärung | Wegwerfen |
Intensiv-saurer, stechender Geruch ohne Schimmel | Normale reife Fermentation | Gut — genießen |
Kahmhefe ist weiß, dünn, liegt flach auf der Oberfläche. Schimmel ist farbig (grün, schwarz, blau) und hat eine pelzige Textur. Wenn du unsicher bist: Im Zweifel riecht Schimmel immer falsch — faulig, nicht sauer.
Häufige Fragen
Wie lange muss Kimchi fermentieren? +
Das hängt von der Temperatur ab, nicht vom Kalender. Bei Raumtemperatur ist Kimchi nach ein bis zwei Tagen mild, nach mehreren Tagen kräftig-sauer. Je kühler es steht, desto langsamer reift es; im Kühlschrank entwickelt es sich über Wochen weiter.
Woran erkenne ich, ob mein Kimchi schlecht geworden ist? +
Weiße, flache Kahmhefe an der Oberfläche ist harmlos, du kannst sie abschöpfen. Pelziger oder farbiger Belag – grün, schwarz, rosa – ist Schimmel: dann entsorgst du den Ansatz. Ein säuerlich-scharfer Geruch ist dagegen völlig normal.
Kann ich Kimchi ohne Fischsauce machen? +
Ja. Für eine vegane Variante ersetzt du Fischsauce und Shrimp durch helle Sojasauce oder eine Miso-Umami-Basis. Der Geschmack wird etwas milder, das Fermentationsprinzip bleibt gleich.
Wie viel Salz brauche ich pro Kilo Chinakohl? +
Als Orientierung rechnest du etwa 40–60 g grobes Salz pro 1 kg Kohl zum Einsalzen, danach spülst du ab und schmeckst ab. Nutze Salz ohne Jod.
Ist selbstgemachtes Kimchi gesund? +
Durch die Fermentation entstehen Milchsäurebakterien mit möglicher probiotischer Wirkung. Kimchi ist salzreich, daher in Maßen genießen; Schärfe und Reifegrad passt du nach Verträglichkeit an.
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Simi & Stefan





