Burmesischer Milch-Tee
La Pey Yay


Myanmar liegt nicht nur in der Mitte zweier kulinarischer Hochkulturen, sondern auch unterschiedlicher Teekulturen. Während in China die Wiege des Grüntees und halbfermentierten Oolong-Tees liegt, haben die Engländer in ihren indischen Kolonien aus lokalen indigenen Teeplantagen eine Produktion aufgebaut, die den Weltmarkt mit Schwarztee bedient. Nun hat Burma durch seine Mittellage eine einzigartige Teekultur, die sowohl die chinesische Tradition des Grüntees als auch die anglo-indische des Schwarztees mit Milch und Zucker umfasst. Hier das Rezept für burmesischen Milchtee, ein Verwandter des indischen Chai.

Tee ist in Myanmar allgegenwärtig. Vor mehreren tausend Jahren wurden die ersten Teepflanzen im Grenzgebiet zwischen der heutigen chinesischen Provinz Yünnan und Burma geerntet. Von dort aus entwickelte sich die Teepflanze Camellia Sinensis Richtung China, wo man unter anderem daraus Grüntee oder den nur leicht fermentierten Oolong-Tee herstellte. Auf burmesischer Seite wurde die Teepflanze von den dort lebenden Shan- und Karan-Völkern in erster Linie als Heilpflanze verwendet. Erst die englischen Kolonialherren pflanzten Teeplantagen in großem Stil und verwendeten die Unterart Thea Assamica, wie sie auch in Nordindien in Assam bzw. Darjeeling verbreitet ist.
Myanmar liegt also nicht nur in der Mitte zweier kulinarischer Hochkulturen, sondern auch unterschiedlicher Teekulturen.

Wie entsteht Tee? Teeblätter enthalten unter anderem Enzyme, die bei entsprechender Behandlung einen Fermentationsprozeß auslösen. Bei Schwarztee werden die Blätter nach der Ernte getrocknet und gerollt. Dadurch bricht das Blatt, die Enzyme werden gelöst und können die Fermentation auslösen. Schwarztee hat eine Ziehdauer von 3-5 Minuten und wird nur einmal aufgegossen.

Beim halbfermentierten Oolong-Tee wird kürzer und weniger gerollt, damit wird die Fermentation nur teilweise in Gang gesetzt. Gute Oolong Tees haben eine kurze Ziehdauer – teilweise nur 15-20 Sekunden – können aber bis zu 8 Mal aufgegossen werden.

Grüner Tee hat im Geschmack am meisten Ähnlichkeit mit frischen Teeblättern. Durch Kochen bzw. Dämpfen der Teeblätter werden die in den Blättern enthaltenen Enzyme inaktiviert. Anschließend werden die Blätter getrocknet. Grüntee hat eine kurze Ziehdauer, ist leicht und wird in Asien gern verdünnt den ganzen Tag über anstatt Wasser getrunken.

Die hohe Kunst der Teeherstellung besteht neben der Auswahl der Teepflanzen darin, den Fermentationsprozess zum richtigen Zeitpunkt zu stoppen.

Burma hat nun eine einzigartige Teekultur, die sowohl die chinesische Tradition des Grüntees, als auch die anglo-indische des Schwarztees mit Milch und Zucker beinhaltet.
Traditionell wird der Tee in China, Japan, Korea und Vietnam mit heißem Wasser aufgebrüht und ohne Zugabe von Zucker, Milch oder Zitrone getrunken.

Erst die Engländer haben in Indien und dem angrenzenden Burma den süßen, mit Milch versetzten Teegenuß eingeführt. So bekommt man auch heute noch in burmesischen Tea-Shops während des ganzen Tages einen starken Schwarztee, versetzt mit dicker, gesüßter Kondensmilch. Zusätzlich steht auf jedem Tisch noch eine Kanne mit einem leichten Grüntee, der als Durstlöscher aus kleinen Tässchen getrunken wird.

Für die meisten Burmesen beginnt der Morgen im Tea-Shop. Starker schwarzer Tee mit gezuckerter Kondensmilch, begleitet von einer Mohinga oder gebratenem Reis mit Ei, ist ein guter Start. Dazu eine leichte Hühnerbrühe und ein paar Chilis, um den Kreislauf in Schwung zu bringen. Aber auch ein Omelett oder indische Paratha mit Zucker bestreut werden angeboten. Paratha – mehrlagige Fladenbrote, die mit viel Butterschmalz Ghee gebacken werden – sind indischen Ursprungs. Chinesischen Ursprungs sind Youtiao, eine Art Donut, in Myanmar e kya kway genannt. Man tunkt die Stangen in Tee oder Kaffee, aber auch in Bohnenpüree oder Reissuppe.

Im Tea-Shop kann man den ganzen Tag sitzen und essen und trinken. Morgens geht es sehr hektisch zu, weil jeder zur Arbeit muss, mittags wird es meistens wieder voll, aber am frühen Nachmittag kommt die schönste Zeit: der mittägliche Ansturm ist vorbei und langsam füllen sich die Tische wieder, man entspannt sich nach getaner Arbeit, unterhält sich, beobachtet die Leute und genießt in Ruhe seinen Tee.

Das Rezept

Zubereitung

  1. In einem Topf 800ml oder 4 Tassen Wasser zum Kochen bringen. Den Tee in ein Teenetz auf Baumwolle füllen und in das kochende Wasser halten (falls kein Teenetz vorhanden, kann man den Tee auch einfach ins kochende Wasser geben und anschließend mit einem Sieb abgießen).

    15 Minuten auf kleiner Flamme köcheln lassen, dann den Tee herausnehmen bzw. abseihen.

     

  2. Vom Herd nehmen und je 4 Esslöffel von der gezuckerten bzw. der ungezuckerten Kondensmilch hinzugeben und  gut umrühren. Am besten in einen zweiten Topf aus 50cm Höhe gießen, sodass der Tee schäumt und Luft bekommt.

    Abschmecken, d.h. je nach Geschmack noch Kondensmilch hinzugeben und in Tassen gießen. Auch hier gießt der Profi aus großer Höhe in dünnem Strahl, sodass ein leichter Schaum entsteht.

     

Zusätzliche Links und Hinweise

* Am besten nimmt man einen einfachen Assam Tee (z.B. Broken Ostfriesen-Mischung). Er sollte nur kräftig sein, damit er trotz der süßen Milch noch erkennbar ist. In Indien nimmt man für Chai sogenannten Mamri-Tea, ein preiswerter Assam als Granulat.

 

 

 

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Zutaten

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