Kulinarische Reisen nach Myanmar – Yangon

Flug von Bangkok nach Myanmar. Schon bei der Landung auf dem Flughafen in Yangon merkt man den Unterschied: Eben noch im glitzernden, hochmodernen Grossflughafen Suvarnabhumi, in dem sich eine Shopping Mall an die andere reiht und der bis zu 80 Flüge pro Stunde bewältigen kann, jetzt die Ankunft in einem zwar relativ modernen aber ziemlich trostlosen Flughafen. Es finden gerade mal 5 Flüge pro Stunde statt! Die Fahrt in die Stadt erfolgt in einem uralten Taxi, in dem die heraushängenden Kabel auf die Bastelfreudigkeit des Fahrers schließen lassen. Viele Autos, die in Yangon fahren, stammen noch aus den 1960er Jahren, als japanische Firmen Werke in Myanmar hatten. Teilweise kommt man sich vor wie in einem – allerdings nur unzureichend gepflegten – Automuseum. Doch nach einigen Kilometern erschließt sich bereits der Zauber Yangons: Breite, mehrspurige Straßen, mit gepflegten Grünstreifen mit pink, gelb und rosa blühenden Blumen in der Mitte. Obwohl die Straßen ins Zentrum außerhalb der Rush-Hour ziemlich leer, staut es sich an jeder Ampel. Mittlerweile ist die Stadtverwaltung jedoch dabei, große vielbefahrene Kreuzungen mit Brücken zu überspannen bzw. zu untertunneln.

Yangon ist im Westen, Süden und Osten von Flüssen umgeben, im Norden gibt es 2 große Seen, den Inya See und den Kandawgyi See, die beide beliebte Ausflugsziele für die Stadtbevölkerung sind. Morgens nutzt man sie zur Frühgymnastik, abends kann man herrlich an ihren Ufern spazieren gehen.

 

Yangon Fahrradfahrer Kulinarische Reisen nach Myanmar - Yangon

Wenige Autos trotz breiter Straßen

Kandawgyi See Kulinarische Reisen nach Myanmar - Yangon

Der Kandawgyi See im Zentrum Yangons

Wir geben unser Gepäck im Hotel ab und fragen die nette Dame am Empfang nach einem Tea-Shop, angeblich dem ultimativen Ort für ein Frühstück in Burma. Empfohlen wird uns das Lucky Seven Tea-House in der 49ten Strasse  und wir werden nicht enttäuscht: Ein lebhaftes kleines Restaurant, das fast ausschliesslich von Burmesen besucht wird. Etwas eng sitzt man an kleinen Tischen, die Speisekarte ist ziemlich umfangreich, aber wir wollten ja Mohinga essen, die klassische Nudel-Suppe Myanmars. Mohinga gibt es in der Grundversion, die man dann mit verschiedenen Zutaten wie hart gekochten Eiern, frittierten Kichererbsenpuffern, in Streifen geschnittene Fischfrikadellen etc. nach Belieben ergänzen kann.

Das Teehaus ist voll besetzt, doch dank der vielen flinken jungen Bedienungen kommt die Suppe innerhalb weniger Minuten. Sie besteht aus gedämpftem Fisch, der sich fein filetiert und zerteilt in der Nudel-Suppe findet. Fisch zum Frühstück ist ja Geschmacksache, aber hier schmeckt nichts nach Fisch, Mohinga schmeckt leicht, etwas nach Curry, ohne scharf zu sein. Die morgendliche Mahlzeit sättigt angenehm und wir sind gut gerüstet für den Tag. In den Tee-Häusern bekommt man übrigens meistens unaufgefordert kleine Snacks hingestellt, nicht wundern, man kann sie essen oder auch einfach stehen lassen, sie werden nur bei Verzehr berechnet. Auch wenn es Tea-Shops heisst, sind es doch kleine Restaurants, die neben dem klassischen burmesischen Tee, auch warme Gerichte servieren. Man findet sie an fast jeder Straßenecke. Jetzt wollen wir noch andere Tea-Shops ausprobieren.  Also machen wir uns auf den Weg zur Sule Pagode, um  einen burmesischen Tee zu trinken. Thone Pan Hla nennt sich der Tea-Shop neben der Sule Pagode, der ältesten Pagode Yangons.

Wir versuchen einen burmesischen Tee mit süßer Kondensmilch zu bestellen, den es in verschiedenen Stärkegraden mit unterschiedlichem Zuckeranteil gibt. Auf burmesisch klappte es leider nicht, trotz Anleitung im Lonely Planet Führer. Die Aussprache des burmesischen ist ziemlich schwierig und ehe man sich zum Gespött der anderen Gäste macht, sollte man einfach auf englisch bestellen. Schön ist es auf jeden Fall in einem Tea-Shop zu sitzen und die Menschen um einen herum zu beobachten.

Jetzt brauchten wir erst einmal etwas Kühles, Erfrischendes. In der Nähe befindet der beste Lassi-Shop Yangons. Lassi ist ein indisches Joghurtgetränk, das wie viele andere indische Gerichte auch seinen Weg über Einwanderer nach Burma gefunden hat. Gemixt mit frischen Erdbeeren hat es uns sehr lecker geschmeckt.

Auf der Strasse sieht man häufig Tontöpfe mit aufgesetzten Plastikbechern, ein alter burmesischer Brauch, der es Fussgängern erlaubt einen Becher Wasser zu trinken, wenn ihnen danach ist. Sehr gastfreundlich und für eine asiatische Großstadt sehr ungewöhnlich.

Lucky Seven Tea-Shop Kulinarische Reisen nach Myanmar - Yangon

Frühstück im Tea-Shop

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Die Sule Pagode

Tea_Shop_Mann1500 Kulinarische Reisen nach Myanmar - Yangon

Einfach nichts tun und die Menschen beobachten….

Haus Rangun1500 Kulinarische Reisen nach Myanmar - Yangon

Pittoresk, aber wer will dort schon wohnen?

Rangun_Wassertrog1500 Kulinarische Reisen nach Myanmar - Yangon

Wasserspender, eine freundliche Geste

Bei einem Spaziergang über den Morgenmarkt in der 26ten Strasse konnten wir alles was die burmesischen Küche braucht in seiner Vielfalt bewundern: Chilis in allen Variationen, frisch oder getrocknet, Bananenstamm für die Mohinga, Bohnen und Kichererbsen. Von weitem sah man schon die Stände mit leuchtend gelbem Kurkuma und tiefrotem Paprika.

In den Strassen Yangons findet man oft Stände die indische Brotspezialitäten herstellen und verkaufen. Ob Chapati, Dosa oder Parotha, die gesamte indische Brotbackkunst ist hier vertreten. Meist werden die Brote morgens süß mit Zucker bestreut gegessen.

Interessant ist das Backen von Roti in einem Tandur-Ofen, der hier aussieht wie die Trommel einer Betonmischmaschine.  Die Teigfladen werden schwungvoll mit der Hand an die heiße Innenseite des Ofens geworfen, wo sie Blasen werfen und fertig backen. Heraus kommt ein knusprig krosses federleichtes Gebäck.

Zum Frühstück werden auch chinesische Youtiao angeboten, lange Teigkrapfen, die man in China in Sojamilch tunkt. Hier kann man sehr schön das Zusammentreffen der beiden asiatischen Hochkulturen Indien und China in Myanmar auch am Brot erkennen.

Im Gegensatz zum ländlichen Myanmar ist der Anteil der Bevölkerung indischer Herkunft in Yangon besonders hoch, da die Briten während ihrer Kolonialherrschaft sowohl indische Beamte als auch ausgebildete Arbeiter in die damalige Hauptstadt holten.

Auf dem Bürgersteig sieht man regelmässig Stände an denen Stapel von großen grünen Blättern ausliegen. Diverse Dosen und Schachteln mit undefinierbarem Inhalt stehen daneben. Hier werden die allgegenwärtigen Betelblätter gefüllt und gewickelt, die dann wie bei uns Kaugummi als Munderfrischer verkauft werden.

„Dazu werden in Betelblätter gelöschter Kalk (Calciumhydroxid) und geriebene Betelnuss – beides zu einer Paste verarbeitet – sowie eine Gewürzmischung (pan masala) bestehend aus Kardamom,Anis, Pfefferminze und anderen gewickelt und mit einem Zahnstocher oder einer Gewürznelke zusammengehalten. Der Löschkalk hält die aktiven Substanzen in ihrer basischen Form und ermöglicht somit die Absorption ins Blut. Die Betelnuss enthält das Alkaloid Arecolin, welches Speichelfluss verursacht (der sich rot färbt) und selbst stimulant wirkt. Der rote Saft befleckt die Zähne und schädigt das Zahnfleisch. Das Kauen eines Betelpriems wird jedoch bereits seit mehreren tausend Jahren praktiziert“ (Quelle: Wikipedia)

Der Mittag naht, Zeit für einen Snack im 999 Shan-Noodle-Shop ein paar Schritte von der Sule-Pagode entfernt. Die Shan sind die größte nationale Minderheit Myanmars und leben im sogenannten Shan-Staat, der an Thailand und China grenzt. Shan leitet sich vom alten Wort für Thailand „Siam“ ab, sie selbst nennen sich Tai Yai und sprechen auch einen Thai-Dialekt. Die Shan sind bekannt für ihre Nudelspezialitäten, sie verwenden statt Fischsauce und Garnelenpaste eine fermentierte Sojabohnenpaste was ihre Küche für Vegetarier interessant macht. Interessant ist auch der sogenannte Shan-Tofu, der aus Kichererbsenmehl hergestellt wird und eigentlich eher einer italienischen Polenta ähnelt.

Der Shan-Noodle-Shop ist ein kleines hell und freundlich eingerichtetes Street-Food-Restaurant, mit einer überschaubaren Karte. Es gibt Suppen und Salate auf der Basis von verschiedenen Nudeln. Alles ist hausgemacht und sehr lecker. Wer einen guten Überblick über burmesische Küche haben möchte, geht am besten ins Feel Myanmar Restaurant in der 124 Pyidaungsu Yeiktha Street im Botschaftsviertel. Hier kann man aus einem Büffet von unzähligen Gerichten sich sein Menü zusammenstellen.

Der Service ist sehr nett und erklärt auch gern die Zusammenstellung. Man kann sowohl zum Lunch als auch zum Dinner dort erscheinen. Wir haben an der Theke ausgesucht und bestellt. Es kamen blanchierte Gemüse mit einem scharfen Relish zum Dippen und eine leichte Suppe, die aber erstaunlich erfrischend war. Sensationell waren die Curries mit Fisch und großen saftigen Shrimps. Auch eine luftige Pastete aus gehacktem Schweinefleisch in Currysauce fand begeisterte Esser.

Im allgemeinen ist ein Essen in einem burmesischen Restaurant wie zum Beispiel dem Feel Myanmar immer ein besonderes Erlebnis. Man kann es auf verschiedene Weise erfahren: Entweder man setzt sich und unaufgefordert ist der Tisch innerhalb kürzester Zeit  – wie in einem Grimm’schen Märchen – gedeckt mit zahllosen Schüsseln, Tellern und Platten. Oder man hat die Qual der Wahl an einem riesigen Buffet, wo man aus einer Fülle unbekannter Speisen durch Deuten mit dem Finger sich ein Menü zusammenstellt. Obligatorisch ist immer die große Schale Reis, die jede Mahlzeit begleitetet.
Ein Menü enthält immer in Kurkuma gekochte Linsen oder Bohnen, dem indischen dal ähnlich, eine klare, leichte Suppe, die dazu dient den Gaumen zwischen verschiedenen Gerichten zu reinigen. Außerdem milde oder würzige Salate aus rohem oder gekochtem Gemüse, ein bis zwei Curries mit Hähnchen, Riesengarnelen, Fisch oder Ziege. schließlich mehrere Sambals und relishs, die mit rohem, kurz blanchiertem Gemüse gegessen werden.
Getrunken wird dazu ein leichter chinesischer Grüntee. Zum Abschluss serviert man zur Überraschung nichts Süßes, sondern den herb-erfrischenden Salat aus fermentierten Teeblättern.
Natürlich steht in burmesischen Küchen keine Küchenbrigade auf Abruf, die sobald ein Gast auftaucht, sich auf den Herd stürzt, um diese Fülle von Gerichten auf den Punkt gegart zuzubereiten. In Burma beginnt man schon früh am Morgen ein Gericht nach dem anderen vorzubereiten, erst die eher kalten Gerichte, später die warmen, bis zur Mittagszeit alles fertig ist. Keine Angst, die Köche verstehen sich in der Zubereitung, sodass alles trotzdem immer frisch schmeckt.
Auch wenn der westliche Gast sich im ersten Moment etwas „überfahren“ fühlt, wenn ohne Bestellung der Tisch gefüllt wird, es ist die burmesische Art zu essen und der Geldbeutel wird dabei nie überfordert.

Wenn man es etwas lauter und rustikaler haben möchte geht man am Abend nach Chinatown in die 19te Strasse in der Altstadt von Yangon. Hier reiht sich Grillstation an Bar, kleine Restaurants und wieder Grills. Am besten geht man die Strasse einmal auf und ab, bevor man sich für einen Sitzplatz entscheidet. Die Qualität des Essens ist durchwachsen, aber mit einem Bier aus der Flasche und etwas frisch Gegrilltem kann man nicht viel falsch machen. Wegen ihrer Atmosphäre ist die 19te auf jeden Fall sehenswert.

Wer sich jetzt durch die meisten der beschriebenen kulinarischen Tipps durchgegessen hat, bekommt einen ersten Eindruck von der Vielfalt der burmesischen Küche. Im Schmelztiegel Yangon treffen sich natürlich die verschiedensten Küchen. Auf dem Land, wo es nun hingeht ist das natürlich etwas eingeschränkt aber nicht weniger lecker.

 

Markt Yangon11500 Kulinarische Reisen nach Myanmar - Yangon

Morgenmarkt in der 26ten Straße

chilly 2 (1 von 1)1500 Kulinarische Reisen nach Myanmar - Yangon

Feuerrote Chilies für scharfe Curries

Rangun_Chaapti1500 Kulinarische Reisen nach Myanmar - Yangon

Leckere Chapati zum Frühstück

Tandoor1500 Kulinarische Reisen nach Myanmar - Yangon

Der Tandur-Ofen

Tandoor_Naan1500 Kulinarische Reisen nach Myanmar - Yangon

Naan Brot aus dem Tandur

Youtiao1500 Kulinarische Reisen nach Myanmar - Yangon

Chinesische Teigkrapfen Youtiao

Sojamilch1500 Kulinarische Reisen nach Myanmar - Yangon

Sojamilch

Rangun_Betel1500 Kulinarische Reisen nach Myanmar - Yangon

Betel Stand

Betel1500 Kulinarische Reisen nach Myanmar - Yangon

Betelblätter liegen bereit zum Füllen

Shan Noodle Shop1500 Kulinarische Reisen nach Myanmar - Yangon

Der Shan Noodle Shop in Yangon

Mahlzeit1500 Kulinarische Reisen nach Myanmar - Yangon

Menü auf burmesisch im Feel Myanmar

Bier1500 Kulinarische Reisen nach Myanmar - Yangon

Kühles Bier gibt es auch!

Tempelkerzen1500 Kulinarische Reisen nach Myanmar - Yangon

Kerzen in der Shwedagon Pagode

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