Kaffee in Vietnam

Mit Asien verbindet man eigentlich immer Tee, während man den Kaffee eher der orientalischen Welt zuordnet.

Wenige wissen, dass Vietnam eines der größten Exportländer für Rohkaffee ist. Eingeführt 1857 von den französischen Kolonialherren, ist es – unterbrochen durch den Krieg – mittlerweile zum zweitgrößten Kaffeelieferanten nach Brasilien aufgestiegen (2012).

Im zentralen Hochland um die Stadt Buon Ma Thuot gibt es verschiedene Klimaregionen, die für den Anbau von unterschiedlichen Kaffeesorten hervorragend geeignet sind. Die wichtigste Sorte, die dort angebaut wird ist die Robusta-Bohne, die doppelt so koffeinhaltig und wesentlich kräftiger im Geschmack ist, als die Arabica-Bohne.

Vietnam_Kaffeeberge Kaffee in Vietnam

Im zentralen Hochland

In Vietnam selbst befinden sich nur wenige Veredlungsbetriebe, sodass der überwiegende Teil als Rohkaffee exportiert, in den Verbraucherländern geröstet und veredelt wird und damit für den Verbraucher nicht als vietnamesischen Ursprungs erkennbar ist.

Aber eine eigene Kaffeekultur hat sich trotzdem entwickelt. Die in den unterschiedlichen Klimaregionen wachsenden Kaffeebohnen wie Robusta, Arabica, Chari, Liberica, Catimor und andere werden zu einer einzigartigen Mischung verarbeitet. Das macht den Unterschied zu unserem Kaffee aus, der fast ausschließlich aus 100% Ararabica-Bohnen besteht. Die Bohnen werden dann stark geröstet, sodass sie sowohl innen als auch außen eine tief dunkelbraune Farbe annehmen. Das Verfahren kennt man als „French Roast“: die Bohnen werden dabei aber nicht verbrannt und die Aromen zerstört, sondern das Rösten ist ein langsamer und schonender Prozess. Außerdem wird etwas flüssige, geklärte Butter oder Speiseöl beim Rösten dazugeben. Einige Betriebe fügen noch etwas Zucker und Vanille hinzu. Das ergibt eine gleichmäßig glänzende, harte Schale der Bohnen mit einem karamellartigen Überzug. Der anschließend grob gemahlene Kaffee hat ein starkes, kräftiges Aroma nach Karamell, rauchigem Leder und Gewürzen.

Die Zubereitung erfolgt nach der alten französischen Methode des Metallfilters, auch ein Überbleibsel der französischen Kolonialherrschaft. Der gemahlene Kaffee wird in das Metallsieb – Phin genannt – gefüllt, festgedrückt und mit heißem Wasser aufgegossen. Langsam tropft er nun durch den Filter in ein Glas, in dem sich ein kräftiger dem Espresso ähnlicher Kaffee sammelt.
Damit der Kaffee bei dem Filtervorgang nicht kalt wird, stellt man ihn in eine Schale mit heißem Wasser. Ein Brauch, der heute in Vietnam leider nur noch selten gepflegt wird.

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Der klassische „Old School“ Kaffeegenuß

Hinzu kommt eine weitere französische Errungenschaft: süße, dicke Kondensmilch. Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts war das ein Importschlager in Vietnam. Kuhmilch war dort unbekannt, die dort lebenden französischen Mütter wollten aber ihre Kinder wie im Heimatland mit Milch großziehen. Also erfand man das Einkochen und Konservieren von Milch zur sogenannten Kondensmilch. Verpackt in Konservendosen konnte sie problemlos auf die lange Reise vom Mutterland in die Kolonie geschickt werden. Von deutlich dickerer Konsistenz und mit hohem Zuckeranteil war sie natürlich auch ideal als Begleiter für den starken, aromatischen Robusta-Kaffee. Zur Erfrischung kamen noch Eiswürfel hinzu und fertig war ein Eiskaffee á la Vietnam: Ca Phe Sua Da. Zusätzlich reichte man traditionell heißen oder kalten Grün-Tee aus kleinen Tassen.

Heute bekommt man nur noch in wenigen Cafés den traditionellen Kaffee mit Filter – Ca Phe Phin.

Hanoi_Cafe Kaffee in Vietnam

Die einfachen Aluminiumfilter machen den besten Kaffee

Wenn man das Glück hat in Vietnam ein traditionelles Café zu finden, kann man mit den folgenden Sätzen einen echten vietnamesischen Kaffee bestellen:

Einen schwarzen Kaffee im traditionellen Stil Cho một ly cà phê phin (đen) [tschoo  mo↓tt  lii ka↓  fee finn denn]
Einen Eiskaffee mit Milch Cho một ly cà phê phin nâu đá [tschoo  mo↓tt  lii ka↓  fee finn nau da↑]

Hier hilft übrigens unsere Vietnam Eat&Travel App

Hanoi_coffeeStreet 3 Kaffee in Vietnam

Kleines Café im französischen Viertel Hanois

PhuQuoc_Cafe Kaffee in Vietnam

Café auf Phu Quoc

Saigon_Cafe_Thuy_Truc 2 Kaffee in Vietnam

Gartencafé mit kleinem See in Saigon

Ein Rezept, wie man ihn auch zu Hause zubereiten kann, findet sich hier

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt man aber auch mit einem Kaffeebereiter nach der „French Press“ Methode (z.B. von Bodum). Man füllt ein Viertel der Kanne mit vietnamesischem Kaffeepulver, gießt langsam die doppelte Menge heißen Wassers auf, rührt gründlich um und lässt die Mischung 30 Sekunden ziehen. Dann mit dem Stempel abpressen. Je nach Geschmack eventuell noch mit etwas heißem Wasser verdünnen.

Hanoi_ArtCafeLam 1 Kaffee in Vietnam

Künstlercafé in Hanoi

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