Im Teerausch in Wuyishan

Einer der besten Tees Chinas kommt aus Wuyishan. Eine Stadt im Nordwesten der chinesischen Provinz Fujian. Laut UNESCO findet man rund um Wuyishan „einen der herausragendsten subtropischen Wälder der Welt. Es ist das größte und repräsentativste Beispiel eines fast intakten Waldes, der die Vielfalt der chinesischen Subtropenwälder und südchinesischen Tropenregenwälder umfasst.“ Inmitten der stark zerklüfteten und dicht bewaldeten Berge mit ihren wilden Flussläufen findet sich nicht nur eine unglaubliche Formenvielfalt, sondern auch der Boden für den außergewöhnlichen Steintee Yan Cha. Auf Englisch „rock cliff tea“. Ein Tee, der seinen Namen von der felsigen Erde aus Lehm, Steinen und Sand, auf der er wächst, hat. Es ist dieser steinige Boden, der die Belüftung der Wurzeln der Teesträucher fördert. Das Mikroklima und der Nebel in den Felsen tragen ein Übriges dazu bei, um optimale Bedingungen für die Teepflanzen zu schaffen.

Vor dieser wildromantischen Kulisse hat sich eine der weltweit höchsten Teekulturen entwickelt. Uns war also schnell klar: Da mussten wir hin! Und da Wuyishan lediglich eine knappe Flugstunde von der Küstenstadt Xiamen, eines unserer Etappenziele auf unserer Foodtour durch China, entfernt ist, war der Flug schnell gebucht und ein kleines Hotel fand sich auch.

Tee kann man in der Altstadt von Wuyishan überall und an jeder Ecke kaufen. Allerdings ist es für den Uneingeweihten fast unmöglich zu erkennen, ob es sich um den authentischen Wuyishan Tee handelt oder ob der Tee aus einem anderem Teegebieten stammt, aber als Wuyishan verkauft wird. Da wir das schon wussten, haben wir uns schon hier in Deutschland auf die Suche nach dem echten Tee gemacht. Der Frankfurter Teespezialist Gerhard Thamm, der im Frankfurter Westend das chinesische Teehaus Cha Dao betreibt, empfahl uns den Teeproduzenten Ning Zhenwen. Ein Anruf genügte und wir wurden von den Inhabern der Wuyishan Qian Zhi Ye Tea Company zu einer Teeverkostung eingeladen.

Ning und sein Bruder Ni Xiaohui, die das Unternehmen bereits in dritter Generation führen, gehören zu den besten Teekennern in Wuyishan. In ihren Teegärten wächst der berühmteste Steintee Wuyishans: der Da Hong Pao – einer der besten Oolong Tees überhaupt. Als Oolong – auch Wulong genannt – bezeichnet man einen chinesischen Tee, dessen Fermentationsdauer zwischen grünem und schwarzem Tee liegt. Gerne wird er auch als halbfermentiert bezeichnet.

Die Herstellung von Da Hong Pao beginnt Ende April mit der sorgfältigen Pflückung der komplett geöffneten Teeblätter in den ganz frühen Morgenstunden. Bis zum späten Nachmittag verwelken diese Teeblätter und sind dann so weich und elastisch, dass sie weiterverarbeitet werden können. Was folgt ist eine zehnstündige Fermentationsphase. Ist der richtige Fermentationsgrad der Blätter erreicht, werden die Blätter kurz im Ofen getrocknet, bevor sie in Bambusschalen über Holzkohle langsam, für zirka acht Stunden, geröstet werden. Danach ruht der Tee für einen Monat. Aber auch dann ist er noch nicht fertig. Es folgt eine zweite Röstung, die heißer, aber mit einer Dauer von vier Stunden doppelt so schnell ist, wie die erste. Jetzt muss der Tee erneut für einen Monat ruhen, bevor die Blätter sortiert und der Prozess in einer Trocknungsmaschine sanft abgeschlossen wird. Mit dieser speziellen Röstungsmethode wird dem Tee sein ganz besonderer Geschmack entlockt. So viel zur Theorie.

Die praktische Teeverkostung begann in der klassischen Gong Fu Tradition. Dabei wird der erste Aufguss weggeschüttet beziehungsweise zum Vorwärmen des Teegeschirrs verwendet. Erst der zweite wird serviert. Ganz wichtig: Als Kenner schnuppert man zuerst an der Innenseite des Deckels der Teekanne, um das Aroma des Tees aufzunehmen. Das gleiche sollte man an der Teetasse wiederholen. Erst dann darf man mit zwei Fingern und Daumen die Tasse aufnehmen und zum Mund führen.

Eine Füllung der kleinen Teekanne mit ca. 8g getrockneten Teeblätter reicht für bis zu 6 Aufgüssen. Wobei sich der Geschmack des Tees bei jedem Aufguss verändert. Von anfangs noch recht schwach, entfaltet sich nach dem zweiten Aufguss das kräftige Aroma des Tees und klingt dann nach und nach bei den weiteren Aufgüssen wieder ab.
Wir waren geschlagene zwei Stunden bei der Verkostung und konnten drei verschiedene Teesorten probieren. Wie Ihr Euch vielleicht vorstellen könnt, sind die zwei Stunden wie im Fluge vergangen. Noch dazu machte sich am Ende der Zeremonie eine leichte Euphorie bemerkbar. Der Teerausch.

Ihr wollt auch mal einen Teerausch erleben? Dann empfehlen wir Euch einen Besuch im Cha Dao Teehaus im Frankfurter Westend. Hier könnt Ihr in authentisch chinesischer Atmosphäre wundervolle Tees verkosten oder auch einfach nur einen entspannenden Nachmittag genießen.

Wir freuen uns auf Berichte von Eurem Besuch dort!
Oder kennt Ihr noch andere authentisch chinesische Teehäuser hier bei uns in Deutschland? Wir sind gespannt auf Eure Empfehlungen.

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